Das jüdische Museum in Frankfurt hat sich mit „1938 – Kunst, Künstler, Politik“ auf ungewöhnliche Art mit den Folgen der vollständigen Arisierung der Kunst in Deutschland, bis in die Gegenwart hinein, auseinandergesetzt. Verfolgte und nationalsozialistische KünstlerInnen sind lebensgeschichtlich gegenübergestellt worden. Die AutorInnen der gleichnamigen Publikation korrigieren die gängige Vorstellung, im Zentrum der nationalsozialistischen Kunstpolitik hätte die Verfolgung der Avantgarde gestanden. Das Ziel war vielmehr, restlos zu kontrollieren, wer am Kunstbetrieb teilnimmt. Über die Teilnahme entschieden vor allem rassepolitische Kriterien. Die vollständige Arisierung des Kunstbetriebs wurde 1938 durchgesetzt – und prägte auch die Nachkriegszeit.
Spatialdesign (Kooperation mit Studio Tobias Rehberger)
Studio Rehberger hat den Gang durch die Ausstellung durch unterschiedliche Bodenhöhen erschwert. Farbfelder, die irritierender Weise nicht den Abmessungen der Bodenplatten entsprachen erzeugten einen stolperigen Gang durch die Ausstellung und haben die Unsicherheit der thematisierten Zeit erfahrbar gemacht. In Zusammenarbeit mit uns sind Bodenfarben und -Flächen definiert worden die sich an den Wänden hochziehen und in der Signaletik fortsetzen.
Publikation/Kommunikation:
Das Farbspektrum der Ausstellung ist im Wechselspiel mit den farblich abgesetzten Kapiteln zu den einzelnen KünstlerInnen im Buch entwickelt. Farben sind aus den gezeigten Kunstwerken abgeleitet. Das Buch greift gestalterisch die in expliziter Nähe zur Kunst gehaltene Auseinandersetzung auf. Die Kapitel der einzelnen KünstlerInnen sind in den Ausstellungsfarben, stark voneinander abgesetzt und bilden klare Positionen. Typografisch haben wir uns, mit Hilfe des Klingspohr Museums, an typische Displayschriften aus dieser Zeit orientiert und jede künstlerischen Position mit einem individuellen Schriftbild eingeleitet.
Published by Eva Atlan, Raphael Gross and Julia Voss
With “1938 – Art, Artists, Politics,” the Jewish Museum in Frankfurt has taken an unusual approach to examining the consequences of the complete Aryanization of art in Germany, right up to the present day. Persecuted and National Socialist artists have been juxtaposed in terms of their life stories. The authors of the publication of the same name correct the common perception that the persecution of the avant-garde was at the center of Nazi art policy. The goal was rather to completely control who participated in the art world. Participation was determined primarily by racial criteria. The complete Aryanization of the art world was enforced in 1938 – and also shaped the postwar period.